VKF - Verein zur Kunst- und Kulturförderung in den Neuen Ländern e.V

Verein zur Kunst- und Kulturförderung
in den Neuen Ländern e.V.

VKF - e.V.

05.09.2002

Auf die Zerstörung folgt Hoffnung

Auf die Zerstörung folgt Hoffnung

SONNTAGS UM ZEHN

Vor der Kirche erinnerte gestern Vormittag noch eine vergessene Kehrschaufel und ein Besen an den Putzeinsatz Tags zuvor, bei dem 30 junge Leute in der Marienkirche in Mitte klar Schiff gemacht hatten. Die Hilfsaktion des "Vereins zur Kunst-und Kulturförderung in den neuen Ländern" (siehe Artikel oben) war am Wochenende nicht das einzig Gute, was dem ältesten er-haltenem Gotteshaus Berlins widerfuhr. Wie viel am Sonnabend das Benefiz-Konzert mit Jocelyn B. Smith zugunsten seiner Kirche genau eingebracht hatte, wusste gestern Pfarrer Gregor Hohberg noch nicht, aber "ordentlich" sei es gewesen, sagte der im Amt von St. Marien und auch sonst noch junge Mann.

Die Glocken von St. Marien hatten eine bunte Gemeinde aus Ansässigen, Touristen und einfach nur Neugierigen zum Gottesdienst gerufen. Alte Damen winkten sich grüßend im Kirchenschiff zu, aus dem die tagelange Hitze die sonst übliche Kühle vertrieben hatte. Vorn am Altar leuchteten Sonnenblumen mit all der Blattgoldpracht drum herum um die Wette.

Vor der mehr zufälligen als homogenen Gemeinde stellte der Pfarrer unter den pausbäckigen Engeln über der Predigerkanzel von Andreas Schlüter das Gotteshaus als Abbild des himmlischen Jerusalems dar. Seine Predigt würdigte den so genannten Israelsonntag – das ist der zehnte Sonntag nach Trinitatis, an dem der Zerstörung Jerusalems um 586 vor Christi gedacht wird. Über die Vorstellung, die sich Christen zu allen Zeiten von ihrem Gott machten, sprach Hohberg. Das biblische Gottesbild habe stets zwei Seiten: Ferne und Nähe, Strafe und Mitleid. Trotz der Zerstörung Jerusalems gehe deshalb von dort Hoffnung aus – "unsere Kirchen bewahren die Antwort". Das Haus Gottes "weckt die Sehnsucht nach dem himmlischen Jerusalem". Da passte zum Ende des Gottesdienstes der Dank des Pfarrers an die jungen Helfer für Marien. Setzten diese doch das Psalmengebet "Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Haus, als wohnen in der Gottlosen Hütten" mit Besen und Schaufel in die Tat um. Heidemarie Mazuhn

Der Tagesspiegel, 5. August 2002

Viel Anfang für eine 700-Jährige

STADTMENSCHEN

Das gibt es sonst bestenfalls zur Weihnachtszeit: die Marienkirche in Mitte bis zum letzten Platz gefüllt, und das auch noch mit jungen Leuten. Das brachte Jocelyn B. Smith zuwege, die amerikanische Jazz- und Soulsängerin, die irgendwann einmal in Berlin hängen geblieben ist. Das Publikum kam auf seine Kosten: Zusammen mit ihrer Band – und ihrem wie von ungefähr auftauchendem, ebenfalls singendem Bruder – sorgte die Sängerin für einen stimmungsvollen, mitreißenden Abend. Auf ihre Kosten kamen aber auch die Veranstalter – der "Verein zur Kunst- und Kulturförderung in den neuen Ländern", der mit diesem Benefiz-Konzert einen Anstoß zur Erhaltung der Kirche geben wollte – und dessen Mitglieder an diesem Wochenende auch gleich mit der Reinigung des Dachstuhls begannen. Überhaupt viel Anfang an diesem Sonnabendabend: Marienkirchen-Pfarrer Gregor Hohberg, gerade hundert Tage im Amt, entwarf eine kleine Utopie, betreffend das Verhältnis der Berliner Bürgerschaft zu ihrer Bischofskirche. Der Kunsthistoriker Ernst Badstübner beschrieb den Schatz der 700-jährigen Marienkirche, die ein wichtiges Kapitel der Kunst und Geschichte Berlins bildet. Und drei Kuratoren für einen Förderkreis zur Erhaltung der Kirche konnten mit Landesbischof Wolfgang Huber, dem letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière und Tagesspiegel-Herausgeber Hermann Rudolph auch bekannt gegeben werden. Rdh.

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